DWG – Aufgestört

DWG – Aufgestört

Ich habe mir fest vorgenommen, das Schreiben nicht vollständig verkümmern zu lassen. Also gestern mal wieder in das Forum der Schule des Schreibens hineingeguckt und nach den drei Wörtern für die aktuelle DWG gesucht: Bahnhofsmission, Fan, DVD – du lieber Himmel, was für eine Zusammenstellung! Dann musste ich erst einmal Recherche betreiben. Ich hatte nur eine ungenügende Vorstellung von der Bahnhofsmission. Und ich muss sagen, das war wirklich interessant. Letzten Endes habe ich viel mehr erfahren, als ich brauchte, aber das macht ja nichts. Es passt zu meinem Vorhaben, mit den Heften der Schule des Schreibens auch nochmal von vorne anzufangen. Habe ich gestern auch getan und gerade in Heft 1 (GR01) geht es um Informationsbeschaffung und Archivierung. Man braucht als Autor Inspiration und Information gleichermaßen und muss auch mal auf “Eingemachtes” zurückgreifen können. Vieles habe ich am Anfang des Studiums (zu) schnell erledigt, wofür ich mir nun mehr Zeit nehmen möchte.
Gestern habe ich im Mainzauberblog auch kurz etwas über meine Rezensionen bei Amazon geschrieben, über die ich mir immer sehr viele Gedanken mache.

Im Studienheft fand ich ein Zitat von Michael Ende, das mich aufgerüttelt hat. Er schreibt: “Mir scheint, dass jene allzu große Selbstkritik, die manche daran hindert, jemals irgendetwas fertig zu schreiben, nichts anderes ist als eine faule Ausrede, mit der sie ihre Eitelkeit oder Unfähigkeit vor sich oder anderen kaschieren. Man setzt den Anspruch an sich selbst von vornherein so hoch, dass man ihm unmöglich genügen kann, und entschuldigt damit, dass man überhaupt nichts zuwege bringt. Damit ist  man der Kritik anderer entzogen und kann obendrein noch auf weniger Anspruchsvolle herunterblicken.”

Aua, das hat gesessen, und klar, den Schuh musste ich mir doch gleich wieder anziehen. Nun ist es ja nicht so, dass ich noch nie etwas zu Ende geschrieben hätte, aber ich gebe zu, dass ich für ein neues Projekt bei mir die Latte sehr hoch ansetze. Und andere Werke entsprechend bewerte. Zumindest Letzteres sollte ich besser lassen, Ersteres vielleicht auch 😉

Jetzt aber zur DWG (Bahnhofsmission, Fan, DVD)  – diesmal  sogar ziemlich genau die 2.400 Anschläge eingehalten. Viel Spaß beim Lesen.

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Aufgestört

„Greta, mach auf, verdammt!“
Wütend schlug Sascha gegen die Tür des Zimmers, das er sich in  der Wohngemeinschaft mit seiner Freundin teilte.
„Wenn du nicht gleich kommst, bin ich weg. Deinetwegen werde ich das Spiel bestimmt nicht verpassen.“
Sascha, eingefleischter Eintracht Fan, freute sich schon seit Tagen auf das Spiel gegen Schalke, für das er zwei Karten ergattert hatte. Warum zum Henker hatte er die zweite Karte nicht gleich einem Kumpel vertickt?

Ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Greta saß vor dem kleinen Fernseher und schaute gebannt auf die Bilder vor ihren Augen.
„Was guckst du denn da? Verdammt, wir müssen los.“
Sein Blick fiel auf die Hülle einer  DVD, die auf dem Boden herumlag.
„Das ist doch der Bahnhof. Und was ist daran so interessant?“
Greta hatte Tränen in den Augen, als sie sich zu ihm umdrehte.
„Das ist die Bahnhofsmission“, flüsterte sie. „Siehst du die Frau da am Tisch. Das ist meine Mutter.“
„Was?“ Sascha starrte entsetzt auf die verwahrloste Frau mit den wirren, grauen Haaren, die mit ihren Händen eine Teetasse umklammerte. Verstört ließ er sich neben Greta auf den Boden fallen.
„Aber wieso … hast du nicht gesagt, sie würde irgendwo auf Ibiza leben? Und wie kommst du überhaupt an diese DVD?“
Die Aufzeichnung begann zu rauschen, Greta drückte auf die Fernbedienung.

„Tobias hat mir das vorhin in die Hand gedrückt, samt Player. Und weißt du, was er gesagt hat? Wie die Mutter, so die Tochter.“ Greta machte nun keinen Versuch mehr, ihre Tränen zurückzuhalten.
„Dieser Scheißkerl!“ Sascha ballte die Fäuste.  Seitdem sich Greta von Tobias getrennt hatte, wurde sie unentwegt von ihrem Ex gemobbt. In der Firma, in der sie früher gejobbt hatte, hatte man ihr wegen seiner üblen Nachrede bereits gekündigt.  Aber das hier? Sascha runzelte die Stirn.
„Ist das wirklich deine Mutter? Wie kommt der Kerl zu diesen Bildern?“
„Ich habe keine Ahnung. Aber unsere Familien waren früher befreundet, bevor Papa …. Er muss sie zufällig gesehen und erkannt haben.“

Greta wischte sich wütend die Tränen aus den Augen, während die schwarze Mascara in kleinen Rinnsalen bis zum Kinn lief.
„Und jetzt verschwinde zu deinem Scheißfußballspiel. Ich will keinen von euch Kerlen mehr sehen.“
Sascha starrte sie einen Augenblick ratlos an, bevor er sich den Fanschal  vom Hals wickelte und Greta fest in die Arme nahm.
„Kommt gar nicht in Frage. Das Spiel kann ich mir auch noch später in der Sportschau ansehen.“

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Bildquelle: httpss://unsplash.com/@grohsfabian

Quo vadis, Elke?

Quo vadis, Elke?

Tja, wohin denn nun? Diese Frage stelle ich mir mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder. Fakt ist, ich habe seit Ende November eine Schreibblockade. Wobei ich nicht sicher bin, ob der Begriff richtig ist. Auf jeden Fall Schreibunlust – kurz, irgendwie ist die Luft raus. An sich kein Drama, ich muss nicht vom Schreiben leben. Aber es geht mir auch mit dem  Bloggen nicht viel anders, mach ich zwar, aber doch oft lustlos – vom Bullet Journaling ganz zu schweigen. Und irgendwie gefällt mir dieser Zustand nicht. Manchmal habe ich das Gefühl – ach was, ich weiß, dass es so ist – dass ich mich zwischen den vielen Möglichkeiten, die habe, einfach nicht entscheiden kann. Ich glaube, dass ich damit aber nicht alleine bin. Wenn ich mich nicht irre, gibt es sogar ein Buch – mindestens eins – das dieses Luxusproblem thematisiert. Genau, es heißt “Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast”. Stellt sich natürlich die Frage, ob das für jemanden in meinem fortgeschrittenen Alter noch Sinn macht. Aber vielleicht sogar gerade dann? Sollte man sich mit fünfundsechzig eher fokussieren oder einfach alles (mit-)nehmen, wie es gerade kommt?

Also jedenfalls habe ich mich heute hingesetzt und mir endlich mal wieder mein BuJo vorgenommen, ein April Review geschrieben – Moment … das geht auch auf deutsch … Also einen Aprilrückblick geschrieben und den Mai angelegt. Meine aktuelle Inspirationsquelle ist William Hannah aus England, der auf Instagram täglich ein Zitat und seine Gedanken dazu postet. Der Mann stellt traumhaft schöne Notebooks im Discboundsystem her, tolle Lederauswahl. Aber Ringbuch oder Discbound sind für mich ja abgehakt, auch wenn ich bei diesen Notebooks schwach werden könnte. Ich bleibe definitiv dem Leuchtturm 1917 und dem Cover von StartBay Notebooks treu. Allerdings hat’s mich dann doch gejuckt und ich musste mal wieder bei Startbay vorbeischauen, die ja eine eher bescheidene Lederauswahl haben. Und es kam, wie es kommen musste, es gibt ein nagelneues Cover in Grün und einer Art Jugendstildekor. ………… Wenn’s angekommen ist, zeig ich es euch 😉

Wenn ich darüber nachdenke, wofür ich mich in den letzten zwölf Monaten so begeistert habe, gibt es einiges, woran anzuknüpfen sich lohnen könnte. Ob Selbstorganisation mit der Flylady, Morgenroutine mit Hal Elrod oder eben das regelmäßige (Tagebuch-) Schreiben … das alles macht schon Sinn. Man müsste es nur in sinnvolle Bahnen lenken, die mich nicht überfordern. Und mich davon abhalten, mich ständig für etwas anderes zu interessieren. Nur bin ich dummerweise offenbar nicht für dafür gemacht, konsequent einem einmal eingeschlagenen Weg dauerhaft zu folgen. Wer will auch seine Spüle polieren (Flylady), wenn draußen der Garten lockt, oder um 5 Uhr aufstehen, wenn man als Eule nie vor Mitternacht ins Bett geht? An sich könnte ich doch auch mal so einen Ratgeber schreiben *lol*.

Nein, im Ernst jetzt: Das Bullet Journaling wird wieder aufgenommen. Davon verspreche ich mir den größten Nutzen. Es kann mir schon helfen, Klarheit zu gewinnen, was ich will und was mir Spaß macht. Und es könnte mich zu größerer Konsequenz anhalten bei den Vorhaben, die ich dann als wirklich wichtig erachte. Mit der Ernährungsumstellung nach Weight Watchers klappt das seit Ende Januar ja doch ganz gut, wobei ich auch da seit dem Urlaub ein bisschen mit dem Schludern angefangen habe. Aber Fitness, Abnehmen und Gesundheit – das sind schon Themen, die mir wirklich am Herzen liegen.

Übrigens – nicht jeder wird sich zu seinem Bullet Journal Notizbuch ein teures Ledercover leisten wollen – ich bin da schon ein bisschen verrückt – aber die meisten kommen am Leuchtturm 1917 nicht vorbei. Im letzten Jahr hatte ich mir aus der 100 Jahre Sonderedition ein Buch mit Metalliccover gekauft, das ich derzeit auch noch benutze, aber auch hier gibt es etwas Neues: Vier neue Cover mit der Prägung eines deutschen Begriffes, der als Lehnwort in andere Sprachen übergegangen ist. Was immerhin relativ selten vorkommt. Die Begriffe sind: Fernweh, Sehnsucht, Wanderlust und Zeitgeist. Alle Cover sind in tollen Blautönen gehalten. Finde ich grundsätzlich ja sehr schön, passt aber nicht so gut zu dem neuen, grünen StartBay Ledercover. Also da muss ich erst noch drüber nachdenken. Schon wieder so ein Luxusproblem!

Okay, das Luxusweib macht hier mal Schluss und versucht, doch noch vor Mitternacht ins Bett zu kommen. Wobei da vorhin eine Ameise reinkrabbeln wollte, keine so tolle Vorstellung. Aber ich habe sie erwischt.

(Das Beitragsheaderbild entstand mit Hilfe eines Fotos von: httpss://unsplash.com/@kendall3lane – danke.)