Gelesen & Gehört: Krimi & Thriller

Gelesen & Gehört: Krimi & Thriller

Für den Urlaub hatte ich mir erstens bei Audible ein Krimi-Hörbuch geladen als auch einen weiteren Krimi, oder eher Mystery-Thriller,  für meinen Kindlereader. Beide Bücher sind in meinen Augen qualitativ meilenweit von einander entfernt.

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Das Dorf in den roten Wäldern der kanadischen Autorin Louise Penny kann ich auch jedem empfehlen, der eigentlich keine Krimis mag. Aber Achtung, dieses Buch ist bereits 2006 unter dem Titel “Denn alle tragen Schuld” erschienen. Die Geschichte spielt in Québec bzw. dem kleinen Dorf Three Pines, das von mehr als schrulligen Einwohnern besiedelt ist. Es wird zwar ein Mord aufgeklärt, aber das ist fast nebensächlich. Es ist die psychologische und manchmal auch philosophische Beschäftigung mit den vielen verschiedenen Charakteren, die mir so gut gefallen hat. Als Hörbuch ganz exzellent gelesen von Hans-Werner Meyer (Letzte Spur Berlin). Es ist schier unglaublich, wie ein Mann so vielen unterschiedlichen Charakteren die perfekte Stimme verleihen kann.

Eine unbedingte Lese- oder eben auch Hörempfehlung meinerseits.

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Auf dem Kindle gelesen habe ich “Die Tränen der Kinder” von Alex Thomas.  Es ist mehr Mystery-Thriller als Krimi und in meinen Augen nicht besonders überzeugend. Eine amerikanische Agentin (klischeebeladen bis zum Geht-nicht-mehr) wird zur Unterstützung eines vatikanischen Kardinals bzw. der dortigen Polizei nach Italien geschickt. Wie heute oft üblich, werden bewusst blutige, ekelhafte Szenen geschildert, manches wird aus unterschiedlichen Blickwinkeln doppelt beschrieben, und insgesamt stört mich der in meinen Augen nicht gelungene auktoriale Erzählstil. Der Schurke war mir recht schnell klar und die Auflösung dann doch ziemlich abstrus. Ich glaube mich zu erinnern, dass mich in einem der uralten Angelique – Bände die Geschichte des mittelalterlichen Serienmörders Gilles de Rais mal fasziniert hat, aber hier wirkt das doch sehr weithergeholt.

Keine Leseempfehlung aus meiner Sicht, aber vielleicht einfach Geschmackssache.

Buchvorstellung: Der Apfelbaum

Buchvorstellung: Der Apfelbaum

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Heute möchte ich ein Buch weiterempfehlen, das ich selbst als Hörbuch verschlungen habe. Es handelt sich um “Der Apfelbaum” von Christian Berkel. Christian wer? Zumindest mein Mann hat so reagiert. Als ich ihm aber den Schauspieler beschrieb – ein echter Charakterkopf – wusste er sofort, wen ich meinte. Ach ja – Schauspieler und Sänger, die Bücher schreiben …! Wieder einer? Ja, aber was für einer!

Sprachgewaltig und sehr eigen, arbeitet Berkel in “Der Apfelbaum” seine Familiengeschichte auf. Wild wechselt er Zeit- und andere Perspektiven. Eigentlich ein ‘No go’, wie ich es gelernt habe. Aber es hat mich zu keiner Zeit gestört. Zu eindringlich ist seine Erzählkunst, zu mitreißend die Geschichte zweier Familien, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten. Die Arbeiterfamilie am Rande des Existenzminimums auf der einen Seite, die Bohemièns, Existenzialisten und Anarchisten auf der anderen. Zwei Jugendliche, Kinder fast noch  – Sala Nohl und Otto Berkel – treffen in einer für Otto fast aussichtslosen Situation aufeinander und verlieben sich ineinander. Die Geschichte beginnt in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ein großer Teil befasst sich mit der NS-Zeit, dem Zweiten Weltkrieg und der Verfolgung Menschen jüdischen Glaubens, zu denen auch die Frauen aus Berkels mütterlicher Linie zählen.

Im Mahlstrom deutscher Geschichte werden Sala und Otto auseinandergerissen. Dass sie überleben, ist ein großes Wunder. Dass sie nach dem Ende des Dritten Reichs wieder zueinanderfinden, ein noch größeres. Man darf nicht allzu empfindsam sein, wenn man das Buch liest oder hört. Berkel erzählt mit ungeheurer Intensität und schreckt auch vor drastischen Schilderungen und Ausdrücken nicht zurück. Manchmal wurde es mir fast zu viel. Dann habe ich eine Pause eingelegt, konnte aber nie aufhören, bis ich das Hörbuch zu Ende gehört hatte. Und überlege mir, ob ich mir nicht noch das gedruckte Buch zulegen werde. Es gibt Vieles, das ich gerne nachlesen möchte – Namen, fremdsprachige Ausdrücke, Hinweise auf interessante Persönlichkeiten. Doch, ich denke, ich werde es tun.

Bei Amazon vergibt man für eine solches Werk 5 Sterne. Ich würde gerne zehn (10) vergeben.